Logbuch-Eintrag, Mittelerdezeit, 28-11-12, 22:39

28.11.12 – Ein Bericht von Christine Ratz –

Die Leute stehen hier Kopf. Natürlich nur im übertragenen Sinne. Gesehen haben wir das allerdings nicht und gehört auch nicht. Aber gelesen. Denn hier in Neuseeland ist heute „Der Hobbit“ los. Der erste Teil der neuen Trilogie „The Hobbit“ feiert heute in Wellington (Nordinsel) seine Premiere. Viele tausende Erdbewohner Neuseelands oder auch von anderen Teilen dieser Welt, folgen dem Ruf des Hobbits. Kostümiert, maskiert oder einfach nur so, in der Hoffnung ein bisschen Hobbit zu erhaschen. Der 500 Meter lange rote Teppich ist sicherlich genauso eine Sensation wie all die Schauspieler die darauf flanieren.

Wir sind nicht dabei, obwohl wir in Neuseeland sind und sogar auf der Nordinsel, da wo der ganze Trubel stattfindet. Aber „die“ sind ganz da unten und „wir“ sind fast ganz oben. Ist auch besser so. Warum? Wegen dem oder besser wegen der Vulkane. Einer ist ja schon ausgebrochen, einer brodelt, noch. Und ich glaube, unser Pensum an Naturereignissen ist erfüllt. Dazu später noch.

Unsere Reise führt uns hoch in den Norden der Nordinsel Neuseelands. Unser Ziel ist Cape Reinga, 90 Mile Beach. Auf dem Weg dorthin machen wir immer wieder Halt. Mehr als 1 bis 1 ½ Stunden Fahrt, wollen wir den Kindern im Camper Van nicht zumuten. Die Kinder und ich sitzen im hinteren Teil des Camper Vans und das ist eine holprige Sache. Hin und wieder heben wir einige Zentimeter von unseren Sitzen ab. Außerdem gibt es viel zu sehen in Neuseeland. So lässt sich das eine mit dem anderen verbinden.

Wir sind heute Morgen vom Campingplatz in Kerikeri losgefahren, nachdem wir unseren Camper Van wieder „klar gemacht“ haben. Das bedeutet, dass wir nach jedem Halt auf einem Campingplatz Frischwasser tanken und das Abwasser entleeren sowie auch unsere Toilette, die wir, Gott sei Dank immer dabei haben :o)) Schon öfter standen wir gerade beim Einkauf als eines der Kinder mal „musste“. Jetzt find mal auf die Schnelle in einem fremden Land in einem Einkaufsladen eine Toilette. So ein Camper Van hat doch was. Der Camper Van gehört schon zur Familie, wir nennen ihn „Campi“. Und nachdem wir uns einen Toaster, einen größeren Topf, ein Haarsieb, ein paar Teelöffel, einen gescheiten Dosenöffner, ein Messbecher, 3 Frischhaltedosen, 3 Trinkbecher, Wäscheseil und Wäscheklammern angeschafft haben, lässt es ich in unserem Campi sehr gut aushalten. Es ist wirklich gemütlich :o)

In Kerikeri sind wir auf kleinen Felsvorsprüngen herumgeklettert und konnten uns der Schönheit eines Wasserfalls (Rainbow Falls, Kerikeri) hingeben. Dabei haben wir ein Fast-Baby-Enten-Drama erlebt. Aber alles ist gutgegangen. Nachdem wir uns ein nachgebautes Maori-Dorf, einen kurzen Film über die Maoris und die Europäer angeschaut, Nikolauseinkäufe erledigt, das älteste Backsteingebäude und den ältesten Holzfußoden Neuseelands mit unseren Füßen betreten haben, sind wir mit knurrendem Magen zurück zu unserem Camper-Van und haben unser Mittagessen eingenommen.  So ein Picknick in freier Natur ist genial.

Mit unserem „Campi“ sind wir ein paar Kilometer  gefahren und haben dabei kräftig Weihnachtslieder gesungen und geübt. Am Sonntag ist ja schon der 1. Advent! Unseren nächsten Halt haben wir in Matauri Bay gemacht.

Dort sind wir heute Abend angekommen und auch hier gilt: Ist das ein schönes Stück Erde! Der Campingplatz ist sehr großzügig und eben. Der Blick und die Nähe zum Meer runden das Ganze noch ab. Am liebsten würden wir immer da wo wir Halt machen auch wohnen bleiben. Die Kinder sind sofort nach draußen gestürzt und zusammen haben wir wieder schöne Muscheln gesammelt, von denen es hier Millionen und Abermillionen gibt. Noch ein paar herumliegende verdorrte Pflanzengewächse und schon wird wieder gebaut. Ich habe festgestellt, dass Kinder keine Spielsachen benötigen. Wenn Kinder die Möglichkeit bekommen draußen zu sein, dann haben sie die größte Spielzeugkiste und den größten Spielplatz den man sich vorstellen kann. Draußen wird wenig bis gar nicht gestritten. Sitzen wir im Camper Van und einer holt sein Stofftier oder sie bekommen etwas anderes in die Hände, dann geht das Gezanke los. Hier haben wir es mal wieder:  Weniger ist mehr! Oder, mehr draußen macht weniger unzufrieden.

Es war zwar schon spät als wir hier ankamen, aber der Hunger war groß und so beschlossen wir zu kochen, Linsenbolognese. Hm, war das lecker. Die Kinder konnten kaum noch aus ihren Augen schauen uns so ging es auch nach der abendlichen Zahn- und Körperreinigung gleich ins Bett.

Ralph und ich sitzen wie jeden Abend noch ein wenig zusammen, was wir auch sehr schätzen, da wir endlich in Ruhe erzählen können.  Wir stellen fest, dass uns der Alltag auch hier hat. Aufstehen, Zähneputzen und/oder waschen/duschen, frühstücken, Wäsche waschen und aufhängen, Campi aufräumen, hin und wieder Polster raus und abklopfen. Ebenso den Teppich. Mittagessen, einkaufen, Zwischenmahlzeit, Abendessen vorbereiten bzw. kochen. Wieder Zähneputzen und waschen. Bett bauen. Zwischendurch noch Fahren, anhalten und mal ein bisschen Kultur. Und dann sind wir meist richtig müde. So eine Reise kann auch anstrengend sein. Aber schön ist es trotzdem.