Ein Alptraum – A nightmare

Ein Bericht von Christine Ratz

28.10.2012 Honolulu, Hawaii, Sonntag, 23.08 Uhr (Ortszeit)

Wir sind nun schon den 4. Tag auf Hawaii. Unser Hotel (Queen Kapiolani) befindet sich am Waikiki Beach in Honolulu. Der Himmel scheint hier viel blauer zu sein, das Meer ist angenehm war. Der Sandstrand mit all seinen darin verborgenen Schätzen ist für die Kinder der schönste Spielplatz den man sich vorstellen kann. Jeden Tag Sandburg bauen, mit Muscheln und Steinen dekorieren und auch mit einer Vogelfeder die Sandburg zu einem Herrschaftspalast gestalten. Den frühen Morgen mit frischem Obst zum Frühstück und einer paradiesischen Aussicht zu beginnen ist Balsam für die Seele. Es ist ein Traum.

Aus diesem Traum wurde gestern Abend (Donnerstag, 28.10.2012) ganz schnell ein Alptraum.

Um ca. 18.30 Uhr Ortszeit (der Zeitunterschied zu Deutschland beträgt -11 Stunden), habe ich es mir auf meinem Bett gemütlich gemacht und beschlossen, ein wenig Fernsehen zu schauen. Ralph und die Kinder lagen bereits im Bett und schliefen. Wir hatten einen wunderschönen Tag am Strand und am Hoteleigenen Pool verbracht.

Ich schaltete den Fernseher ein und zu meiner Freude entdeckte ich auf einem Kanal einer meiner Lieblingsserien – Hawaii 5-0. Es war ganz eigenartig die Stimmen der Schauspieler zu hören und die Art wie sie sprachen.

Und während ich mich auf das Gesprochene konzentrierte, die Schauspieler sprechen englisch und das bedarf einer größeren Anstrengung bzw. Aufmerksamkeit, sah ich einen roten Banner über den Bildschirm wandern. Ich brauchte einige Sekunden bis ich begriff, dass dies eine Meldung war. Ich versuchte das Geschriebene zu lesen. Ich verstand wohl die Wörter, aber mein Gehirn brachte das irgendwie alles nicht so zusammen. Ich war irritiert und schon im nächsten Moment war der Ton weg und es war nur noch das Bild zu sehen. Die Schauspieler sprachen, das konnte ich eindeutig erkennen aber es war nichts zu hören. Und auf einmal sprach eine ganz andere Stimme aus dem Fernsehen zu mir. Und dann begriff ich! Das ist eine Warnung! Es lief mir eiskalt den Rücken runter, ich war entsetzt. Das war eindeutig eine Tsunami-Warnung. Ich sprang aus dem Bett und rüttelte Ralph wach. Es sprudelte nur so aus mir heraus. Ralph brauchte eine Weile um meine Worte zu verstehen. Er richtete sich auf und schaute auf den Bildschirm. Plötzlich wurde die Sendung unterbrochen und es kamen Nachrichten. So etwas hatten wir bisher noch nie gesehen. Mein Magen zog sich zusammen. Auf allen Sendern kamen nur noch Nachrichten. Ralph beschloss in die Hotel-Lobby zu gehen um sich zu erkundigen. Ich war sehr nervös während Ralph sich erkundigte. Die Kinder schliefen. Das war eine Erleichterung.

Die Hotelangestellten bestätigten die Tsunami-Warnung und das wir in Sicherheit seien. Das sagten sie, nachdem sie erfuhren, dass wir unser Zimmer auf dem 5. Stock haben. Und während Ralph und ich über die Geschehnisse redeten und versuchten zu realisieren was uns da gerade mitgeteilt wurde, da schrillten, nein da schrien auch schon von draußen die Sirenen los. Mein Magen schlug wohl einen Salto. Jetzt weiß ich, wie sich die Menschen im Krieg gefühlt haben müssen. Spätestens jetzt war klar: Das ist absoluter ernst! In mir stieg die Panik hoch und ich wollte nur noch raus aus dem Hotel. Ralph versuchte mich zu beruhigen und schlug vor, die Nachrichten weiter zu verfolgen. Nun, das taten wir, doch die Nachrichten waren nicht wirklich gut. Die Erste Welle sollte uns um 22.28 Uhr erreichen. Ich fing an zu zittern und dann rannte ich in die Lobby um die Menschen zu beobachten. Die meisten schienen einen ruhigen Eindruck zu machen, andere jedoch hatten Sack und Pack dabei und warteten auf Ihren Wagen (in unserem Hotel gibt es nur den Parkservice). Ich sprach eben eine solche Frau an, sie hatte noch zwei Kinder bei sich und sie erklärte mir, dass sie nach Hause fährt, ihr zu Hause sei hier auf Hawaii. Sie erklärte mir, dass wir im 5. Stock sicher wären (hatte ich schon Mal gehört). Wir sollten jedoch so viel Wasser wie möglich bunkern. Und in diesem Moment war für mich klar: WEG HIER!

Ich rannte zurück in unser Zimmer und Ralph und ich packten ganz schnell das Nötigste zusammen: Wasser, alle unsere Essensvorräte, Pässe, Geld, Kleidung für die Kinder, Laptoptasche und Handy. Wir sprangen in unsere Kleider weckten die Kinder und verließen fluchtartig das Hotel. Ralph hatte schon zuvor sehr große Bedenken, dass wir im Stau stecken bleiben könnten und eben genau dies gefährlich werden könnte. Und schon wieder schrien die Sirenen. Mein Herz schlug nun noch schneller und ich zitterte am ganzen Körper. Ich sehnte mich nach unserem Campingplatz in Walldorf. Dort gibt es keine Tsunamis.

Wir hatten noch ca. 1 ½ Stunden bevor uns die erste Welle erreichten sollte. Das sollte wohl reichen. Kaum waren wir um die Ecke gefahren da standen wir auch schon im Stau. Andere versuchten auch die Stadt am Waikiki Beach zu verlassen. Es war mir elendig zu mute, ich hätte am liebsten geheult, riss mich der Kinder wegen jedoch zusammen. Sie waren schon durch den Wind und weinten, da wir sie aus dem Tiefschlaf gerissen hatten.

Es stellte sich die Frage: Wohin fahren? Ralph hatte noch im Hotelzimmer bei Google Maps Hawaii angeschaut und sich eine Adresse notiert die wohl Schutz bieten konnte. Er gab diese ins Navigationssystem ein und wir hofften das Beste. Die Kinder schliefen schnell wieder ein und wir hofften auch, alles dabei zu haben was nötig ist. All unsere Sachen waren noch im Hotelzimmer und doch schienen sie keinen Wert mehr zu haben. Ich stellte fest, wie wenig nötig ist.

Wir kamen nur langsam voran und im Radio wurden wir ständig auf die Geschehnisse hin gewarnt und vorbereitet. Wir blickten immer wieder auf die Uhr. Die Sirenen schrien erneut. Zwischenzeitlich wurde evakuiert. Als wir dann endlich auf die Autobahn kamen, war auch auf den Anzeigetafeln überall nur noch der Hinweis auf den Tsunami zu lesen und die Aufforderung den Radio anzuschalten.

Endlich konnten wir zügig fahren. Bald verließen wir die Evakuierungszone. Es war eine Erleichterung voran zu kommen. Und ich war heilfroh, dass wir uns einen Mietwagen genommen hatten. Was hätten wir nur ohne Auto gemacht?

Als wir uns unserem Ziel näherten, sahen wir auch schon die ersten Autos stehen. Es war ein breiter Straßenrand mit einem angrenzenden Waldstück. Wir parkten unser Auto, stiegen aus und kamen gleich mit einem Einheimischen ins Gespräch. Seine Frau und er bestätigten, dass wir hier am Highway 61 (Pali) sicher seien. Alle ein bis zwei Jahre flüchten Sie zu diesem Ort, wenn es eine Tsunami-Warnung gibt.

Immer mehr Autos und Menschen kamen. Wir lernten ein Ehepaar aus Australien kennen die sich gerade in ihrem „Honeymoon“ befinden. Ein anderes Ehepaar aus England, dass erst einen Tag ihr Urlaubshaus am Waikiki-Beach angemietet hatte, als jemand hereingestürzt kam und ihnen sagte, dass sie hier schnell verschwinden sollen, da sie sich in Gefahr befinden. Ein weiteres Paar aus Kanada, das direkt bei ihrer Ankunft am Flughafen umgeleitet wurde. Und einen Mann aus Boston, der die Welt nicht mehr verstand. Aber alle waren wir froh, uns dort an diesem Ort aufhalten zu können.

Das einheimische Ehepaar hatte einen tragbaren Radio dabei und beim Zuhören der Nachrichten wurden wir, so glaube ich, alle etwas blass um die Nase. Im Radio wurde von großen schweren Unfällen berichtet von Schlägereien an den Tankstellen und dass die Menschen in den Geschäften große Mengen Wasser kaufen. Die Lage war ernst und dramatisch.

Wir blickten immer wieder auf die Uhr und warteten. Es wurde kalt und es fing an zu regnen. Wir zogen uns alle in unsere Autos zurück und verfolgten von dort die Nachrichten. Irgendwann sind Ralph und ich eingeschlafen. Gegen 23.00 Uhr bin ich aufgewacht und alles war unverändert, bis auf den Radio, den hatte Ralph abgeschaltet. Mein Rücken schmerzte und ich wachte immer wieder auf. Ebenso Ralph. Die Stunden vergingen. Ich wurde wieder wach als Ralph aus dem Auto stieg. Ich sah ihn draußen mit den anderen stehen und erzählen. Irgendwann gaben sie sich alle die Hand und in ihren Gesichtern konnte ich Erleichterung erkennen.

Endlich Entwarnung. Alle stiegen in ihre Autos und fuhren zurück. Als wir uns der Evakuierungszone näherten, blickte ich immer wieder hinaus. Nichts. Es war nichts zu sehen. Gott sei Dank, nichts war passiert. Die Welle(n) hatte es sich wohl anders überlegt.

Völlig übermüdet und geschafft kamen wir in unserem Zimmer an. Die Taschen haben wir einfach abgestellt und die Kinder so wie sie waren ins Bett gelegt. Ralph und ich haben noch mal über Geschehnisse gesprochen und uns darüber gefreut, dass nichts weiter passiert ist. Hatten wir und alle anderen ein Glück :o))))

Ein Erlebnis, das mich sicher ein Leben lang begleiten wird.

Viele liebe Grüße und eine gute Nacht, es ist jetzt genau 23.08 Uhr hier in Honolulu am Waikiki Beach.

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a report from Christine Ratz

Honolulu, Hawaii, Sunday, 23.08 clock (local time)

We are now on the 4th Day in Hawaii. Our hotel (Queen Kapiolani) is located on Waikiki Beach in Honolulu. The sky seems to be much more blue, the sea is pleasant. The sandy beach, with all its hidden treasures in it is for the children of the most beautiful playground you can imagine. Every day, they build sand castles, decorated with shells and stones and also design with a bird’s feather, to turn the sand castle into a palace. The early morning starts with fresh fruit for breakfast and a heavenly view is balm for the soul. It is a dream.
But this dream last night became (Thursday, 28/10/2012) quickly a nightmare.
At about 18.30 local time (the time difference to Germany is -11 hours), I made myself comfortable on my bed and decided to watch a little TV. Ralph and the kids were already in bed and asleep. We had spent a wonderful day at the beach and at the hotel’s pool.
I turned on the TV and to my delight I discovered a channel on one of my favorite series – Hawaii 5-0. It was very strange to hear the voices of the actors and the way they spoke with their original voices (not synchronized in german).
And while I concentrated on the spoken word, I saw a red banner across the screen. I took a few seconds before I realized that this was a message. I tried to read the writing. I understood well the words, but my brain did not get everything together. I was confused and the next moment the sound was gone and just the picture was available on the screen. The actors spoke, I could see clearly but there was no sound. And suddenly a very different voice spoke on the television to me. And then I understood! This is a warning! It ran me shivers down my back, I was horrified. This was clearly a tsunami warning. I jumped out of bed and roused Ralph. It bubbled out of me. Ralph took a while to understand my words. He straightened up and looked at the screen. The program was interrupted suddenly and there were news. Something we had never seen before. My stomach tightened. On all channels only news came. Ralph decided to go into the hotel lobby to inquire. I was very nervous during Ralph inquired. The children slept. That was a relief.
The hotel staff confirmed the tsunami warning and we were safe. This they said, after they found out that our room is on the 5th Stock. And while Ralph and I talked about what happened and tried to realize what we were told, there just because shrilled. My stomach did a somersault. Now I know how people must have felt during the war. By now it was clear: This is absolute serious! My panic grew up and I wanted to get out of the hotel. Ralph tried to reassure me and suggested to follow the news on. Well, we did, but the messages were not really good. The first wave should reach us at 22.28. I began to tremble, and then I ran to the lobby to get people to watch. Most seemed to give a calm impression. I just spoke to a woman. She had two children with her and she told me that she goes home, her home was here in Hawaii. She explained to me that we should be safe in the 5th floor (I had already heard time). However, we should hoard as much water as possible. And at that moment it was clear to me: AWAY FROM HERE!

I ran back to our room and Ralph and I packed quickly together the essentials: water, all our supplies, passports, money, clothes for the children, laptop and cell phone. We jumped into our clothes woke up the children and fled from the hotel. Ralph had already had a very strong concern that we might get stuck in a traffic jam and just exactly that could be dangerous. And again, the sirens screamed. My heart beat even faster and I was trembling all over. I longed for our campsite in Walldorf. There is no tsunami.
We still had about 1 ½ hours before the first wave should reach us. That should be enough time. We just drove around the corner were already in a traffic jam. Others also tried to leave the evacuation zone on Waikiki Beach. I felt miserable, I wanted to cry, tore myself together because of the children, however. They were already in the wind and crying because we had torn them from a deep sleep.
It raised the question: go where? Ralph checked Google Maps in the hotel room and we drove to an address which could probably provide protection. He added the address to the navigation system, and we hoped for the best. The children slept in again quickly and we also hoped to have everything here that is needed. All our belongings were still in the hotel room and yet they seemed to have no value. I realized how little is needed.
We were slow and the radio we were constantly warned of the events now and prepare. We have always looked at the clock again. The sirens screamed again. In the meantime, evacuation was in full swing. When we finally got on the highway, all signs only the reference to the tsunami and the request to turn on the radio.
Finally we could go quickly. Soon we left the evacuation zone. It was a relief to come forward. And I was glad that we had taken a rental car. What would we have done only without a car?
As we neared our destination, we also saw the first cars available. It was a broad road with an adjacent forest. We parked our car, got out and went right with locals. His wife and he confirmed that on Highway 61 (Pali) we are safe. Every one to two years, they escape this place, if there is a tsunami warning.
More and more cars and people came. We met a couple from Australia know that are currently in their „honeymoon“. Another couple from England told us they rented vacation home on Waikiki Beach and someone came in and told them that they should get out of here quickly, because they are in danger. Another couple from Canada, which was diverted directly upon arrival at the airport. And a man from Boston, who did not understand the world anymore. But we were all happy to be able to stop us there at this location.
The local couple had a portable radio and we were listening to the news. The radio reported 4 major serious accidents and fights at gas stations and that people buy large amounts of water in the stores. The situation was serious and dramatic.
We have always looked at the clock again and waited. It was cold and it started to rain. We all went back to our car and followed the news from there. Eventually Ralph and I are asleep. Around 23.00 clock, I woke up and everything was the same, except for the radio, it was shut down. My back hurt and I woke up again and again. Similarly, Ralph. The hours passed. I was awake when Ralph got out of the car. I saw him standing outside and talk with the other. Eventually, they shaked their hands and in their faces, I could see relief.
Finally clear. All got into their cars and drove back. As we approached the evacuation zone, I looked out again and again. Nothing. There was nothing to see. Thank God, nothing happened. The shaft (s) had probably changed his mind.
Completely exhausted and done, we arrived in our room. The bags we just dropped and the children we put to bed as they were. Ralph and I have once talked about what happened and we also pleased that nothing more happened. We had and all the other lucky: o))))

An experience that is sure to accompany me for a lifetime.

Lots of love and a good night, it’s now exactly 23.08 clock here on Waikiki Beach in Honolulu.